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Madeira

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Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren,
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19.06.15 19:03
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren,

Wasserzuteilung

Hier oben, in etwa 250 Meter Höhe, sieht Funchal so still und nahezu gemütlich aus. Die Berge in unserem Rücken nehmen das Rot der untergehenden Sonne an und verzaubern die abendliche Stimmung.
Im Hafenbecken ist es um einiges ruhiger geworden.
Eigentlich ist es noch sehr früh um "boa noite" zu wünschen.
Wenn die Wasserzuteilung für die kommende Nacht nicht angesagt wäre, würden wir noch einige Zeit unter der Laube sitzen bleiben. Der Hausherr und sein Schwiegersohn würden auch diesen Abend Musik machen, die Hausherrin weiter an der Stickerei arbeiten und wir anderen zur Entspannung, bei einem Glas Hauswein, die Beine ausstrecken.
Obwohl die Vorbereitungen zum Bewässern der Gemüse- und Obstplantage alle schon abgeschlossen sind, werden wir von Senhora Bela um 2 Uhr geweckt.
Der Geruch von gebackenem Ei und die Aussicht auf ein Erlebnis der besonderen Art erleichtert uns das Aufstehen.
Bananen, warme Kuh- und Ziegenmilch, sowie Brot mit Salzbutter, all das hat die Hausfrau zusammen mit Tochter Umberta angerichtet.
Nach dem Frühstück, so gegen halb drei, bekommen meine Frau und ich von Senhor Carlos die Taschenlampe und eine Tischuhr gereicht.
Wir haben die Aufgabe, die Dauer des zugeteilten Brauchwassers an unserem Levadaschieber zu überwachen.
Schon frühzeitig sind wir am Wasser, das noch beim Nachbarn in die Anlage einläuft.
Der Levadeiro und des Nachbars Sohn unterhalten sich, im Schein der Straßenlaterne,über den Verlauf des vergangenen Festes.
Beide sind im Patronat der Kirche Santo Antonio tätig, liefen auch beide bei der Prozession, noch vor der Monstranz, durch die Straßen der Gemeinde.
Die Nacht hier oben ist noch ruhig, nur hin und wieder bellt ein Hund. Ob er wohl auf Antwort hofft oder ihn etwas erschreckt hat?
Die hintere Bordwand des Großen Wagens zeigt die Richtung zu Polaris an.
Weit draußen auf dem Meer sehen wir die Lichter der Fischerboote. Wird sich diese Ausfahrt lohnen, werden sie von dem Erlös ihre Familien ernähren können? Wer von ihnen wird wohl der nächste Emigrant sein, wer von ihnen hat die Auswanderung schon geplant?
Ab 3 Uhr soll das Wasser für uns einlaufen. Es ist jetzt kurz davor, aber der Levadeiro macht noch keine Anstalten den Wasserlauf beim oberen Nachbarn zu stoppen.
Meine Frau, die, zur Überraschung der Männer, gut die portugiesische Sprache beherrscht, macht sie darauf aufmerksam und sofort zeigt sich die von uns erhoffte Wirkung. Der Schieber beim Vorgänger wird geschlossen.
Es ist jetzt auf unserer Uhr genau zwei Minuten nach der vereinbarten Zeit, na ja, nicht so schlimm. Wichtig ist doch, dass die Levada 30 Minuten für uns offen bleibt.
Der Levadeiro errät natürlich, dass wir Urlauber aus Alemanha sind, welches aber nicht, im Falle einer Emigration, sein Zielland wäre. Viel lieber ginge er nach Franca, wo schon sein älterer Bruder mit Familie lebt. Dieser ist, vor mehr als drei Jahren, zunächst mit seinem ältesten Sohn illegal über die Grenze gewechselt. Um den Jungen, der die Einberufung zum Militär erhalten hatte, vor dem Krieg in Angola zu schützen, hielt es die Familie für richtig diesen Weg zu gehen.
In der Zwischenzeit ist auch Avo, der Großvater des unteren Nachbarn, eingetroffen. Auch er hat eine größere Uhr, die er vor sich hält und uns zeigt, bei sich. Seinen Weg beleuchtet er, da er von dem "modernen Zeug" nichts hält, mit einer Petroleumlampe, deren Glaskolben erheblich verrußt ist
Nun ist der Levadeiro wieder am Zuge. Er will unseren Zulauf schon kurz vor der vereinbarten Dauer schließen. Da wir aber aufmerksam sind und uns dagegen verwehren bleibt unser Schieber genau 30 Minuten lang offen.
Senhor Avo nickt zustimmend.

Adeus:
Tiago

Zuletzt bearbeitet am 10.01.16 00:04

19.06.15 19:09
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Senhor Avo nickt zustimmend.

Adeus:
Tiago

25.06.15 10:38
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Torwarttrainer
Madeira-Natternkopf
Social Networks:

Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren
Mit der Funchal nach Funchal

Boa tarde,
ola, mehr als sechs Wochen Urlaub, für Jungvermählte eine Herausforderung.
Planen, organisieren, umsetzen. Das Letztere ist das Schönste.
Sommer 1970, das Reiseziel ist fix, der Weg dorthin, dank ADAC, auch.
Die Tagesziele haben wir noch offen gelassen, es sind 5 Tage Fahrt mit 8 Übernachtungen eingeplant. Natürlich für die einfache Strecke.
Ach ja, der Endpunkt unserer Reise sollte die südwestlichste Spitze Europas sein, also in der Nähe von Sagres Algarve.
Von hier, Kurpfalz-Nordbaden, bis dort etwa 2500 Straßenkilometer.
Da der Karmann Ghia nur einen kleinen Kofferraum hat, durfte das Reisegepäck nicht sonderlich groß ausfallen.
Die Tage der Hin- und Rückfahrt waren ein Erlebnis des Besonderen, aber das ist wieder eine eigene Geschichte.
Für die Hinfahrt hatten wir in Lissabon fünf Übernachtungen vorgesehen. Ich kann es schon jetzt sagen, das war eine Fehlplanung.
Es wurden nur zwei daraus, denn das kam so:
In Lissabon, gleich an der Ponte de Salazar (heute Ponte 25 de Abril),sahen wir die Personenfähre Funchal, im Hafenbecken vertäut, liegen.
Der Name, Funchal, an der Bordwand des Dampfers, machte uns zum ersten Mal auf Madeira aufmerksam.
Ja was nun? Unser Ziel, die südwestlichste Ecke Europas, ist nicht auf dem Festland. Nein, die muss auf der Insel sein.
Neugierde und die Lust auf ein Abenteuer beherrschte uns. Bilhetes wurden erstanden, das Auto wurde bei der Reederei untergestellt, und ab ging die Post.
In diesem Fall natürlich das Schiff. Einzelheiten von der Überfahrt waren auch hier ein Erlebnis des Besonderen, aber das ist wieder eine eigene Geschichte.
Nach etwa 35 Stunden Seereise erreichten wir mit der Funchal Funchal. Eine Woche bis zur Rückfahrt, so unsere Planung, daraus wurden 20Tage. Unvergesslich. Und schon wieder eine eigene Geschichte, mit dem Unterschied, zu den Vorherigen, diese Geschichte hält noch immer an.
Madeira maravilhosa.

Adeus:
Tiago


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26.06.15 19:05
Hans 

Madeira-Levkoje

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Hallo Tiago,

ich hoffe wir bekommen noch mindestens 200 Geschichten zum Lesen.

Servus
Hans

26.06.15 22:11
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Fast wie im freien Fall

Boa noite,
im September 1973 flogen wir, meine Frau, unsere Tochter (1 Jahr alt) und ich von Lissabon nach Madeira.
Für unser Kleinkind bekamen wir keinen separaten Sitzplatz.
Nach gut einer Stunde, noch vor dem Sinkflug, bat uns eine Flugbegleiterin, unsere Plätze in der Passagierkabine, aus Sicherheitsgründen, mit Sitzen im Cockpit zu Tauschen. Die Kanzel war mit zwei Piloten besetzt, unser Platz war direkt hinter ihnen.
Anschnallen, staunen, zittern, schwitzen, Erleichterung, applaudieren.
Der Anflug erfolgte von West nach Ost, wobei die Anfluggeschwindigkeit, nach Aussage des Copiloten, etwas höher als bei anderen Flugplätzen sei.
Auch die Anflughöhe erschien mir außergewöhnlich hoch. Und richtig, das Absinken war ähnlich dem eines freien Falls in der Vorwärtsbewegung.
Und der Seitenwind tat das Übrige.
Madeira maravilhosa.

Adeus.
Tiago

28.06.15 00:19
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

letzter Bus
oder
Glück gehabt

Boa noite

"Lasse uns doch bitte zum Abschluss noch einmal zur Kirche gehen", sagt meine Frau, "um den großartigen Festtag würdig zu beenden".
Hier oben im Bergdorf Monte, mit vielen anderen zusammen, bei Festa da Nossa Senhora do Monte zu sein, ist schon etwas besonderes.
Obwohl der Abend schon zur Nacht geworden ist, wir wahrscheinlich den letzten Linienbus verpassen, knien wir jetzt hier um Dank zu sagen.
Nun aber schleunigst hinunter zur Haltestelle, zu spät, der Bus ist schon abgefahren. Um nach unten in die Stadt zu kommen, wo wir, in der Rua de Santa Maria, wohnen, müssten wir jetzt laufen oder ein Taxi nehmen. Aber weshalb stehen hier noch mehrere Leute? Einheimische. Nach deren Auskunft, warten sie auf einen späteren Bus, der nur heute zu dem Fest eingesetzt wird. Zwei Männer machen Musik, andere tanzen mit den Frauen. Eine Mundharmonika und eine Gitarre genügt um prächtige Stimmung zu verbreiten. Vor allem der Mann mit der Rajao, stattlich, groß, mit Bäuchlein, sorgt für Unterhaltung. Mit dem kleinen Schnurrbart sieht er eher nach einem Lausbuben aus als nach einem älteren Herrn. Den Hut etwas schräg auf dem Kopf singt und spielt er ununterbrochen. Eine angenehm laue Nacht, zu schön um an deren Ende zu denken.
Der Bus fährt bergauf, an uns vorbei, wendet und hält in der Haltebucht.
Wie nennen wir Es, Zufall Absicht? Meiner Frau gegenüber sitzt der Gitarrist, dessen Spiel auch im Fahrzeug weitergeht. In den Spielpausen unterhält er sich mit meiner Frau, ich verstehe nicht alles, aber meine Frau kann es gut mit ihm auf Portugiesisch.
Die Fahrgäste werden zahlreicher, bevor der Bus abfährt kassiert ein Junge das Fahrgeld und los geht es, den Berg hinunter.
Meine Frau, die so für den Hausgebrauch Gitarre spielen kann, bekommt diese und spielt die Akkorde, die sie sich abgeschaut hat, nach. Eine Touristin unterhält Madeirenser, das wird wohl selten so sein? Ich fühle wie einige Mitfahrer überrascht sind. Auch Senhor Carlos, er spricht kurz mit seiner Frau, Senhora Bela, und bittet uns zu einem Besuch in seinem Haus.
Glück gehabt.
Obwohl Senhora Bela und Senhor Carlos uns nur vom Himmel aus zusehen können hat die Verbundenheit zwischen unseren Familien noch immer Bestand.

Adeus:
Tiago

Zuletzt bearbeitet am 15.07.15 21:40

28.06.15 10:19
iris 

Administrator

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Bom Dia Tiago,
vielen Dank für deine Geschichten. Ich hoffe, es wird ein ganzes "Buch" daraus!
Wie ich sehe, handelt es sich bei dem netten musizierenden Senhor Carlos und Senhora Bela um eure Freunde (Nachbarn?), die du in deinem Wasserzuteilungstext erwähnt hast.
Wie schön, wenn sich aus kurzen Begegnungen echte Freundschaften ergeben.
LG iris

Zuletzt bearbeitet am 28.06.15 10:21

01.07.15 15:22
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Der verpasste Geburtstag
und
eine wunderbare Neuigkeit

Boa tarde

Jose wartete schon in der kleinen Ankunftshalle, führte uns zu seinem Wagen und Madeiras enge, kurvenreiche Straßen hatten uns wieder.
Gleich bei der ersten Gelegenheit , noch vor Santa Cruz, bat ich ihn anzuhalten. Meine Frau und ich stiegen aus und bestaunten wieder einmal das Meer.
Begleitet von unserem ah und oh atmeten wir die frische Brise ein. Was Jose zum Lächeln brachte, er sagte "das Meer sehe und rieche ich jeden Tag.
Kommt, Umberta und meine Schwiegereltern warten sehnsuchtsvoll auf euch. Morgen ernten wir die Trauben und zuvor gibt es noch eine Überraschung".
Die Begrüßung war sehr herzlich, schon beinahe ein Zeremoniell, Vinho e Bolo do Caco, Küsse und Tränen.
Senhora Bela, eine große, etwas rundliche Person, setzte sich wieder in den Schatten an ihre Stickerei. Auffallend war ihr Daumennagel an der linken Hand, lang, spitz, beinahe schon oval zugeschnitten, perfekt um der Sticknadel den Weg zu zeigen. Senhor Carlos, inzwischen Rentner und immer den Hut auf dem Kopf, führte uns in sein Anwesen.
Oh, ja, die Überraschung war gelungen. Der Anbau fertiggestellt, eingerichtet, im Untergeschoß eine kleine, für sich abgeschlossene, Wohnung mit Terrasse in der wir unseren Urlaub verbringen werden.
Während sich Jose bis zum Abend verabschiedete, er ist Geschäftsführer einer Manufaktur für Madeirastickerei, zeigte uns Umberta stolz ihre neue Wohneinheit. Blick auf Funchal, den Hafen, das Meer, Binnenlandgermane, hast du sonst noch Wünsche?
Für die morgige Traubenlese musste nur noch der Behälter der Traubenpresse gesäubert werden. Meine Frau packte die Koffer aus, verteilte die Mitbringsel
und half bei der Zubereitung des Abendessens.
Zeitig am Morgen begannen wir mit der Traubenernte. Die Reben waren allesamt hoch gezogen, die Frucht hing über unseren Köpfen, so dass wir wie unter einer Laube arbeiteten. Mal gebückt, andermal gestreckt, wurden die Henkel vom Holz abgeschnitten in einen Korb gelegt und von den Trägern zur Presse gebracht. Mit Hilfe von Nachbarn und Bekannten, insgesamt vierzehn Personen, ernteten wir bis weit in den Nachmittag hinein. Umberta kümmerte sich um ihre Kinder, Pedro 7, Lydia 5 Jahre 3 Monate alt und Paulo, dieser erkundet die Welt noch auf allen Vieren. Senhora Bela sorgte zusammen mit ihrer Tochter für die Verpflegung und die Getränke. Wer war wohl für die Stimmung zuständig? Na, ist doch klar, Senhor Carlos. Aber natürlich nicht nur, er war auch für die Organisation und den gesamten Ablauf verantwortlich.
Etwas stimmte nicht, es ist meiner Frau schon gleich bei Beginn in der Früh aufgefallen, zwei der Männer, beide etwa in unserem Alter, verhielten sich eigenartig, reserviert gegenüber uns beiden. Vielleicht zu mir noch stärker als zu ihr. Wir wollten dies, bevor der Tag zu Ende geht, geklärt haben.
Was bei uns hier die Traubenmühle, waren im Hause von Senhor Carlos die Füße der Erntehelfer. Schuhe und natürlich auch die Strümpfe ausgezogen wurden die Beeren zertreten, so dass der helle Saft, aus roter Traube, in Menge durch den Sieb in den unteren Behälter floss. Von wo er mit Eimern zu den Fässern im Keller getragen wurde. Unsere Beine , natürlich Füße und Beine, waren noch rot verfärbt als wir schon längst wieder zurück in Deutschland waren.
Die Stimmung der Truppe war überschwänglich, das gute Vesper, der Gesang, die Gespräche und auch der alte Wein passten einfach zusammen, die Arbeit ging gut voran. So dass schon bald die Trester um die Spindel geschichtet, mit Hölzern abgedeckt und gepresst wurde.
Nun war etwas Zeit, um mit den beiden Männern, die sich sichtlich nicht wohl fühlten und ihr Verhalten während des Tages geändert hatten, zu sprechen. Obwohl die Angelegenheit von Bedeutung war, möchte ich mich in ihr kurz fassen. Die Beiden, und da gab es auf der Insel einige davon, vermuteten bei den Deutschen, insbesondere bei den deutschen Männern, weiterhin eine nazistische Einstellung. Diese Vermutung hat sich bei ihnen, nach einem guten Gespräch, zu unseren Gunsten geändert.
Am nächsten Tag wurde für Ordnung gesorgt. Jose hatte noch einen Urlaubstag, so dass das Aufräumen am frühen Nachmittag beendet war. Die Trester war trocken, die Hühner bekamen einen Teil, für das Schwein wurde etwas davon mit Wasser eingeweicht und der große Rest, als Dünger, in die Anpflanzung eingebracht. Alle Gerätschaft war gesäubert, die Fässer gut gefüllt und Senhor Carlos zufrieden.
Schon am Frühstückstisch nahm Jose seine älteren Kinder zu sich und bat sie heute ihrer Mutter zum Geburtstag zu gratulieren. Beide Kinder stürzten auf sie zu und umarmten sie herzlich. Auch wir stellten uns an und sprachen unsere Glückwünsche aus. "Eigentlich habe ich schon vor drei Wochen Geburtstag gehabt, wurde aber erst zu dem heutigen Tag eingetragen", erklärte uns Umberta. Erstaunt haben wir uns dann folgendes, von Senhora Bela, erzählen lassen. "Meine drei Kinder sind alle hier im Haus zur Welt gekommen und mussten innerhalb von zehn Tagen, vom Patrao persönlich, bei der Verwaltung angemeldet werden. Da aber Senhor Carlos, sich wie meist, unnötig viel Zeit genommen hatte, ging er zu spät zum Rathaus. Um nun kein Strafgeld zu bezahlen suchte er sich einen passenden Tag aus, eben heute".
Diesen Patrao sahen wir verschmitzt lächeln.
"Unser Kind wird nicht zu spät angemeldet werden" flüsterte mir meine Frau zu. Zunächst schaute ich sie verständnislos an, dann kapierte ich. "Ja"? "Ja"!
Wir umarmten und küssten uns. Nun waren alle anderen ahnungslos.

Madeira maravilhosa

Adeus:
Tiago

Zuletzt bearbeitet am 21.10.15 22:38

05.07.15 16:26
Torwarttrainer 

Madeira-Riesenfingerhut

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

schlechte Erfahrungen
und
Praia dos Reis Magos

Boa tarde



"Senhora Bela, jogar as cartas?" Normalerweise lässt Senhora Bela auf diese Frage alles liegen und stehen und ist sofort zum Karten spielen bereit. Sie sitzt an der Hausecke, unter der Laube, und ist mit einer sehr diffizilen Stickerei beschäftigt, die ihr schon so manchen Seufzer entlockt hat. Aufmerksam legt sie die Tischdecke in den Korb und setzt sich zu uns an den Tisch. Eva, meine Frau, mischt die Karten und beginnt mit dem Ausgeben. Zu viert spielen wir Casino über Kreuz. Die beiden Frauen gegen uns Männer, Jose und mich. Und gleich geht es emotional zu, denn "Menina" geht für die Frauen verloren, das bedeutet zwei Sonderpunkte für uns Männer.
Nach etwa 30 Minuten Kartenspielen, ich sollte die Karten neu mischen, stelle ich die Frage die mir, seit der Traubenernte, keine Ruhe lässt. "Warum haben einige Madeirenser kein Vertrauen zu uns Deutschen? Was ist hier auf der Insel im Argen?" Umberta und Jose schauen sich zunächst an und dann antwortet mir Jose, "zunächst werde ich dir sagen was eine kleine Gruppe, vorwiegend junge Leute, plant. Sie haben das Bestreben Madeira vom Mutterland zu lösen und so die Unabhängigkeit zu erlangen. Der größere Teil der Inselbewohner, zu denen auch wir uns zählen, plädiert aber für eine autonome Region Madeira. Beides, sowohl die Unabhängigkeit wie auch eine Autonomie wird von Marcelo Caetano strikt abgelehnt". Er atmet tief ein und spricht dann weiter.
"Das Misstrauen gegen alle Deutschen basiert auf eurer Vergangenheit. Auf die Diktatur und auf die Gräueltaten welche von deinem Heimatland ausgegangen sind. Die schreckliche Zeit, des Krieges in Europa, ist zwar schon mehr als 25 Jahre vorüber, aber bei einigen von uns noch nicht vergessen. Zumal auch wir uns noch im Kriegszustand mit Angola befinden und eine despotische Regierung haben. Beides belastet uns sehr."
Seit einigen Minuten sitzt auch Senhor Carlos, der seinen abendlichen Rundgang durch das Anwesen beendet hat, mit am Tisch. Er und Senhora Bela erzählen uns nun aus ihrer Vergangenheit.
"Ich bin hier oben aufgewachsen, Senhor Carlos in Porto da Cruz. Er kam 1920 über die Berge hierher nach Santo Antonio. Zwei Jahre danach heirateten wir und wohnen seitdem hier in meinem elterlichen Geburtshaus. Benvinda, unsere Älteste, kam 1929, da war ich schon 28 Jahre alt, Senhor Carlos ein Jahr älter, zur Welt. Ein arbeitsreiches Leben, mit vielen Entbehrungen, und Nöten. Da wir aber auf dem eigenen Land wohnten mussten wir nie richtig Hunger leiden. Eine Ziege, ein Schwein im Stall, Hühner, Kartoffel, Gemüse, Obst und genügend Wasser, es ließ sich meistens einigermaßen aushalten." Senhora Bela wischt sich, mit einem Stofftuch die Augen und nimmt eine Prise Schnupftabak. "Na ja, mitunter gab es nur Sopa, Caldeirada verde oder nur Milho. Wenn es keine Möglichkeit gab um unsere Erzeugnisse zu verkaufen, kamen auch keine Escudos in unsere Haushaltskasse. Also auch keinen Fisch auf den Tisch, mitunter ein Huhn in der Suppe" ergänzt Senhor Carlos und bedient sich ebenfalls, mit Daumen und Zeigefinger, am Schnupftabak. Eva möchte auch eine Prise, bekommt das Döschen gereicht und tut es den Hausleuten nach. "Bom?" "Bom!"
Am nächsten Tag fahren Eva und ich über Sao Goncalo nach Canico und am späten Nachmittag hinunter ans Meer. Eine einfache Straße endet an den beiden Hotelanlagen, Residencia Galomar und Residencia Alpino Atlantico, hier parken wir unser Leihauto und gehen über Fels und Stein zur Praia dos Reis Magos.
In einem Schuppen (Bretterlokal) bereitet ein junges Paar Sardinha e Milho frito zu, uma Garrafa Vinho do Pais, muito bom.

Madeira maravilhosa

Adeus:
Tiago

08.07.15 14:58
Friedl

nicht registriert

Re: Persönliche Erinnerung aus den frühen siebziger Jahren

Torwarttrainer:

Praia dos Reis Magos


Am nächsten Tag fahren Eva und ich über Sao Goncalo nach Canico und am späten Nachmittag hinunter ans Meer. Eine einfache Straße endet an den beiden Hotelanlagen, Residencia Galomar und Residencia Alpino Atlantico, hier parken wir unser Leihauto und gehen über Fels und Stein zur Praia dos Reis Magos.

In einem Schuppen (Bretterlokal) bereitet ein junges Paar Sardinha e Milho frito zu, uma Garrafa Vinho do Pais, muito bom.


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